Das 12. Colt Motorcycle weekend in Colmar/Frankreich

07. - 10. Juli 2016


Meine zweite Teilnahme an einer Colt Tour


1.Tag Donnerstag 07.07.2016

Am heutigen Tag hatte musste ich noch arbeiten. Alles war vorbereitet und somit konnte ich fast unmittelbar nach Feierabend starten. Die Fahrt verlief gut bis auf ein klein wenig zähfließender Verkehr bei Homberg/Ohm. Da es danach wieder sehr gut lief fuhr ich bis Frankfurt Niederrad durch und tankte kurz vor Ankunft am Hotel. Die beiden Kollegen saßen schon vor der Tür und freuten sich dass ich so zeitig eintraf. Leider reagierte die Schranke am Parkplatz nicht auf mein Motorrad, aber es war genug Platz daran vorbei zu kommen.
Nach dem Begrüßen der Kollegen, dem Einchecken und dem Beziehen des Zimmers machte ich mich schnell fertig, denn wir wollten nicht nur zum Essen gehen. Heute fand das Halbfinale zwischen Deutschland und Frankreich statt. Nach dem Umziehen und "verkleiden" machten wir uns auf in eine nahe gelegene Sportkneipe mit asiatischer Bewirtung. Das Essen und die Stimmung waren gut, auch wenn die Deutschen an diesem Abend nicht das Finale erreichten. Nach dem Abpfiff gab es den kleinen Fußmarsch zum Hotel und dann endete dieser Tag.



Tiefsttemperatur      15,5 Grad
Höchsttemperatur      31,5 Grad
Tagesfahrleistung        338 km


2.Tag Freitag 08.07.2016

Der Morgen startete mit Wolken, aber die Sonne schaute schon gelegentlich durch. Das ließ uns auf tolles Wetter hoffen. Zum Frühstück trafen wir uns zeitig, da wir heute eine gemütliche Anreise vor uns hatten. Nachdem wir fertig waren wurden die Sachen gepackt und es sollte zum ehemaligen Colt Standort "um die Ecke" gehen. Ich verabschiedete mich kurz, denn ein ehemaliger Kollege arbeitet praktisch genau neben dem Hotel. Es wurden noch schnell ein paar freundliche Worte gewechselt bevor ich mich zu den anderen auf machte. Als dann alle Sieben Fahrer eingetroffen waren, starteten wir in die Pfalz, wo wir die restlichen Mitfahrer für heute einsammeln wollten.



Die Tour führte uns durch die schöne Pfalz zuerst bis zum Johanniskreuz. Da der bisherige Tourguide leichte Probleme mit dem geliehenen Navi hatte übernahm ich ab jetzt die Gruppe. Nun dauerte es nicht mehr lange und wir waren in Frankreich. Dann bekam ich Zeichen eine Tankstelle zu suchen. In Bitche, am Fuße der Zitadelle, fanden wir zwar eine, allerdings gab es dort nur Sprit mit einer Art Guthabenkarte vom Supermarkt. Dort wurden nur noch schnell Getränke aufgefüllt und dann ging die Fahrt weiter. Die zweite Tankstelle akzeptierte die Geld- oder Kreditkarten nicht. Jetzt hieß es weiter bis zur nächsten Tankstelle oder zu einem Lokal, je nachdem was zuerst kam. Es wurde eine Mittagspause mit Flammkuchen und kalten Getränken.

Nachdem dann auf der weiteren Fahrt noch alle Tanken konnte gab es später auf Höhe Straßburg den Entschluss die Tour durch die Berge abzubrechen und direkt zum Hotel zu fahren. Leider ist die Durchschnittsgeschwindigkeit in den Bergen zu gering und wir wollten alle zum Abendessen in Colmar sein. Kurz nach der Touränderung wurde die Gruppe beim Abbiegen auseinander gerissen. Trotz erheblichen Wartens kam keiner nach und somit starteten wir zur letzten Etappe. Kurz vor dem Ziel kam ein Parkplatz den wir für eine letzte Trinkpause nutzten und dann waren wir plötzlich wieder einer mehr. Nun wussten wir auch weshalb die hintere Gruppe fehlte. Sie war nicht der französischen Gruppe nachgefahren, wie wir dachten, sondern von einem Mitfahrer hat sich das Motorrad verabschiedet. Er muss nun mit dem Abschleppwagen nach Hause.
Die allerletzten Kilometer waren dann sehr entspannt und kurz vor dem Eintreffen im Hotel tankten alle für den nächsten Tag voll.

Am Hotel warteten schon die Ersten auf uns und es gab freundliche Begrüßungen. Jetzt wurden die Motorräder entpackt, die Zimmer bezogen und sich frisch gemacht. Lustig war, dass es mehrere Mitfahrer gab, die verzweifelt die Zimmernummern suchten. Das Hotel ist schon voll auf die heutige Smartphone Generation eingestellt und hat sie in den Teppich eingearbeitet. So tief hatten wir noch nicht gesucht. Da das Hotel nach dem Sonnenkönig benannt ist, war es natürlich auch überall so dekoriert.





Von meinem Fenster aus konnte ich das Restaurant La Boucherie sehen, wo wir die nächsten zwei Abende essen werden. Nachdem also das Zimmer bezogen und die ersehnte Dusche erledigt waren ging es in gemütlicher Freizeitbekleidung nach unten. Dort wurden die Neuankömmlinge begrüßt und erste Benzingespräche geführt. Als es dann endlich Zeit wurde gingen wir zum Essen. Leider klappte es den ersten Abend nicht so schnell und es wurde eine Geduldsprobe. Allerdings wurden alle satt und waren hinterher zufrieden, nur es dauerte halt alles etwas länger.
Mein Menü war:
Quiche Lorraine
La Choucroute traditionelle
Le Kouglot glacé (mein Favorit!)

Ich war an diesem Abend sehr geschafft durch die langen Tage und die ständig steigenden Temperaturen, dass ich recht zeitig im Bett verschwand. Ein letzter Blick aus dem Fenster auf mein Motorrad und die Vogesen und danach begab ich mich zur Nachtruhe. Es sollte aber noch ein wenig dauern mit Einschlafen, denn es mussten noch Vorbereitungen für den nächsten Tag getroffen werden. Der Wetterbericht zeigte auch das es noch wärmer werden sollte. Wie gut das ich ausreichend Wasser in Bitche gekauft hatte. Dann erlosch das Licht doch erst nach Mitternacht.





Tiefsttemperatur      17,0 Grad
Höchsttemperatur      33,5 Grad
Tagesfahrleistung        358 km


3.Tag Samstag 09.07.2016

Am heutigen Tag sollte endlich die Ausfahrt kommen. Peter hatte alles gut vorbereitet und zum Frühstück lagen die Listen aus für die Blümchenpflücker, die Schnellen und zwei Gruppen mit mittlerer Geschwindigkeit. Als die Touren starten sollten ergab es sich das jeder seine bevorzugte Gruppe fand und wir machten aus Peter´s und meiner Gruppe eine einzige. Der Start verlief schon sehr positiv. Es machte richtig Spaß durch die Vogesen. Ein einziges Kurveneldorado erwartete uns. Als sich die Gelegenheit in Le Bonhomme ergab, hielten wir auf einen Kaffee und andere Getränke an. Zu diesem Zeitpunkt hatten alle schon ein breites Grinsen im Gesicht. Weiter ging es dann auf der geplanten Tour vorbei am Mémorial du Linge bis zum Col du Wettstein. Auf dem Weg zum Col de la Schlucht hatten wir leider vier Autos vor uns an denen wir als Gruppe nicht vorbei kamen. Später gab es noch einen kleinen Umweg in Gérardmer aufgrund einer Baustelle. Danach führte uns die Tour wieder in die Berge.



Vorbei an diversen Wintersportmöglichkeiten erreichten wir Le Honeck. Hier machten wir Rast und kehrten im Le Paquis des Hautes Fées ein. Vom Chef wurden wir freundlichst auf das Foto von Pogba auf den Cola Dosen hingewiesen und die freundliche Bedienung zeigte mit ihrem Tatoo dass sie Rock and Roll über der Brust trug (oder waren das die Namen der Beiden?). Während der Pause fuhr noch ein Motorradfahrer mit einem Hund auf dem Tankrucksack vor. Die Beiden waren alleine unterwegs, langweilen sich aber sichtlich nicht. Nach der dann vielleicht etwas zu langen Pause in der Sonne begaben wir uns auf den nächsten Teil der Tour. Den Abstecher auf den Berg und zurück ersparte ich mir, denn es gab genug zu sehen.





Nach ein paar Kilometern gab es dann einen unglaublichen Blick auf das Tal des Réserve Naturelle du Massif du Ventron mit dem Lac de Kruth-Wildenstein. Ein kurzer Fotostopp damit es auch Erinnerungsbilder gibt, obwohl der fantastische Blick und die Eindrücke nie auf einem Foto festgehalten werden können. Mittlerweile war es so heiß dass sogar der Seitenständer im Asphalt einen knappen Zentimeter einsank. Nachdem alle ihre Fotos gemacht hatten fuhren wir weiter. Hier gab es jede Menge Gleitschirmflieger am Himmel, aber der Blick musste ständig auf der Fahrbahn bleiben. Es folgten hier Kurven auf Kurven auf Kurven...



In Guebwiller lotste mich dann mein Navi in eine Straße in der ich auf nebenstehendes Schild blickte. Zum Glück konnte ich spontan Umkehren und die nachfolgenden Mitfahrer passten auf den nachfolgenden Verkehr auf. Weiter wollte dann das Navi über einen Marktplatz der gesperrt war und ich fuhr dann nach Sicht und Nasenfaktor. Dadurch fuhren wir eine Straße die das Navi als Einbahnstraße entgegengesetzt kannte und ich sollte permanent wenden. An der nächsten Kreuzung war dann alles wieder gut und die Aufregung vorbei. In Schweighouse lotste uns dann das Navi durch die kleinen engen Straßen des Ortes, da dies anscheinend deutlich schneller ging als um den Ort herum. Schön war es.



Nach einer letzten Kurvenetappe sollte es einen weiteren Kaffee in Soultzbach-les-Bains geben. Leider hatte das Lokal kein Interesse an Umsatz, also machten wir uns auf den Weg zurück zum Hotel. Auf dem Weg dorthin löste sich ein Teil der Gruppe auf. Jeder erledigte was er wollte und einige fuhren auch gleich wieder Tanken. Ich machte kurz vor dem Hotel noch einen Stopp am Kreisverkehr um die Réplique de la Statue de la Liberté abzulichten. Sie wurde 2004 zum 100. Todestag von Frédéric-Auguste Bartholdi, geboren 1834 in Colmar, aufgestellt, denn er hatte die Freiheitsstatue entworfen.



Im Hotel angekommen wurde sich dann erfrischt auf unterschiedlichste Art und Weise und auf den letzten gemeinsamen Abend gewartet. Diesmal dauerte es mit dem Abendessen nicht mehr so lange und es gab eine kleine Änderung am Hauptgang. Daraus ergab sich für mich folgende Menüwahl:
Potage
Burger mit Pommes
Trou normand (mit fast keinem Alkohol - lach)
Da es Menschen gibt die nicht gerne Rosinen essen bekam ich zusätzlich noch einen halben Le Kouglot glacé. Was für ein Abschluss dieses Abendessens. Nach dem Essen gab es dann eine kleine spontane Party vor dem Hotel mit Musik, Kaltgetränken und diversen Plaudereien. Im Laufe des Abends gingen nach und nach alle aufs Zimmer. Ich diesmal auch etwas zeitiger, da mein nächster Tag lang werden sollte.

Tiefsttemperatur      24,5 Grad
Höchsttemperatur      33,5 Grad
Tagesfahrleistung        231 km


4.Tag Sonntag 10.07.2016

Nach dem letzten gemeinsamen Frühstück machte sich jeder auf seine individuelle Heimreise bereit. Ich plante als erste Etappe den Besuch des Mémorial du Linge. Auf dem Weg dorthin fuhr mein Navi wieder lustige Wege durch die Wälder und plötzlich war ich wieder auf der Etappe vom Vortage. Nun war es nicht mehr weit bis zum Parkplatz. Außer mir waren noch einige Motorradfahrer dort. Alle aus Deutschland und so hatte ich das Glück im Kino eine deutsche Vorführung ansehen zu können, bevor ich mir das Museum und die Außenanlagen ansehen konnte.




Das was hier passiert ist, ist unbeschreiblich und kommt hoffentlich nie wieder vor, trotzdem empfand ich die Verkündigung wirklich Witzig wie sie offiziell geschrieben wurde. Lest mal, dann versteht ihr vielleicht was ich meine. Der Rundgang durch das Museum ist schon bedrückend, wie damals gelebt wurde und wie sich hier die Gegner fast in die Augen sehen konnten. Über 17.000 gefallene Menschen in kürzester Zeit. Trotzdem wurde ein passender Rahmen geschaffen sich zu erinnern und zu informieren. Mir hat es gefallen, auch wenn in der Ausstellung alles leider nur auf Französisch beschriftet war. Der vorab geschaute Film half aber beim Verständnis.




Danach machte ich einen Rundgang durch das Außengelände. Wenn man sieht was hier in den Wald gebaut wurde nur um den Kamm zu erobern/verteidigen... Auf jeden Fall waren die Menschen damals deutlich kleiner, wie man an dem Foto mit mir sieht. Aufrecht stehen ist einfach unmöglich und für die Schützengräben war ich auch zu groß. Ich finde es gut das dieses hier so wie es ist als Gedenkstätte erhalten bleibt. Auch bin ich froh mir das noch einmal angesehen zu haben. Das Wetter machte es auch nicht schwer an der frischen Luft zu sein.




Auf der Rückfahrt hielt ich noch einmal an dem deutschen Soldatenfriedhof Hohrod an. Über 2400 Soldaten liegen hier, teilweise auch aus meiner Heimat Braunschweig. Als Hobby-Ahnenforscher wäre ich gerne etwas länger geblieben, aber es lagen noch über 600 km Heimweg vor mir. Somit startete ich dann zeitnah und machte mich auf den Weg zurück nach Colmar.




Kurz vor Colmar hielt ich noch einmal an, denn in Sichtweite befanden sich diverse Schlösser die ich mir noch ein wenig aus der Ferne anschaute. Zu Hause konnte ich dann sehen das sich dort befinden:
Monastère Notre-Dame de Dusenbach
Château du Haut-Ribeaupierre
Château du Girsberg
Château de Saint-Ulrich


Jetzt sollte eine größere Etappe bis nach Ladenburg bei Mannheim kommen. Das ging auch recht gut und einem androhenden Stau konnte ich am Ende ausweichen und mir einen anderen Anreiseweg suchen. So lernte ich noch neue Gegenden kennen bevor ich am Museum eintraf. Dort war ich der erste Besucher am heutigen Tag und ich stellte das Motorrad ab. Nachdem ich meinen Eintritt und die Fotogenehmigung erworben hatte gab es erst einmal ein kühles Getränk mit ein wenig Formel 1 im TV.



Endlich ein wenig innerlich abgekühlt ging ich auf Entdeckertour im kleinen, aber feinen Museum. Hier standen nicht nur "Benz" herum, sondern auch andere Hersteller und auch Motorräder. Es hat mich sehr erfreut das ich mir diesen Abstecher gegönnt hatte.





Wunderschöne Autos konnten die damals bauen, nicht so wie heute, wenn fast alle gleich aussehen, weil sie aus dem Windkanal kommen. Natürlich muss der Fortschritt weiter gehen, aber gefallen dürfen mir diese alten Schätze schon. Zum Abschluss schaute ich mir noch einmal den Benz Patent Motorwagen Modell 3 an und auch das Diorama wie es damals in der Werkstatt ausgesehen hat. Langsam neigte sich meine Runde dem Ende und ich verließ das Museum wieder.




Vor der Tür entdeckte ich noch einen alten Benz der wohl nicht mehr zu retten ist, aber dennoch wurde er sehr liebevoll als Ausstellungsstück dekoriert. Danach begann meine Heimfahrt die nur noch von Trinkpausen und einem Tankstopp unterbrochen wurden. Endlich zu Hause angekommen war ich "gut durch". Es war schon sehr warm zum Motorrad fahren. Trotzdem hat es sehr viel Spaß gemacht und ich freue mich auf die Tour im nächsten Jahr.




Tiefsttemperatur      25,5 Grad
Höchsttemperatur      36,0 Grad
Tagesfahrleistung        691 km


Hotelkosten (incl. Frühstück und teilweise Halbpension)   277,26 Euro
verbrauchter Sprit     84,68 Liter
Spritkosten   106,71 Euro
Gesamtfahrleistung      1618 km